Mit der Welt um die Wette laufen

Vor einer Woche stand ein großes Laufevent an. Groß im Sinne von weltweit, groß im Sinne von vielen Teilnehmern. Und trotzdem war mir das Event vorher nicht wirklich bekannt.

Die Läufer unter euch wissen schon, dass es sich um den Wings for Life Worldrun handelt. Bei diesem Lauf werden die Startgelder für die Rückenmarksforschung gespendet - die Veranstaltung lebt von vielen Freiwilligen und Sponsoren, welche all das möglich machen.

Besonders wird der Lauf nicht nur durch seinen Charity-Charakter, sondern auch durch den Ablauf: 30 Minuten nach dem Startschuss fährt das so genannte Catcher Car mit konstanter Geschwindigkeit von 15km/h los. Überholt es einen Läufer, ist dieser aus dem Rennen. Eine Streckenvorgabe gibt es nicht, jeder läuft so weit er kann. Damit auch die sehr schnellen Läufer eingeholt werden, wird das Auto nach einiger Zeit seine Geschwindigkeit erhöhen. Und als wäre das nicht besonders genug, fällt der Startschuss rund um den Globus zur gleichen Zeit - die einen Laufen morgens, die anderen Abends und in Deutschland startet man zur Mittagszeit.

Erstaunlich fand ich bereits beim Abholen der Startnummern die Professionalität, mit welcher das Event umgesetzt wurde. Große Wegweiser vor Ort, gut gefüllte Startbeutel. Neben dem mit diversen Kleinigkeiten, Lese- und Werbematerialien gefüllten Startbeutel gab es auch ein T-Shirt und Wasser sowie eine Dose Red Bull-Energydrink. Wir haben unsere Startnummer am Abend zuvor abgeholt und so gleich die Pasta-Party mitgenommen.

Bevor der Startschuss fiel, traf sich das Team der InteRes Worldrunners zum gemeinsamen Austausch und einer kleinen Fotosession. An der Stelle vielen Dank an InteRes, die nicht nur das Startgeld übernahmen, sondern auch die beteiligten Läufer mit Trikots ausgestattet haben.

So ein Lauf ohne konkretes Ziel ist erst mal sehr merkwürdig. Distanz oder Zeit sind für mich immer die Sachen bei einem Lauf gewesen, an welchen ich mich orientieren kann. Aber einfach so loslaufen und mal schauen? Ja, das geht. Das geht, das geht sogar sehr gut! Ich habe es sehr genossen auf diese Art zu laufen. Meine einzige Vorgabe an mich selbst war, dass ich mehr als 10 Kilometer laufen wollte.

Der erste Kilometer war zäh. Die gut ausgeschilderte Strecke führte die Läufer erst in den Norden Darmstadts, um dann nach Osten und schließlich in Richtung Pfungstadt zu führen. Auf der Strecke fanden sich in regelmäßigen Abständen Verpflegungsstationen, an welchen es Getränke und später auch Obst und Riegel gab.

Das Wetter war gut, bei 18-20° gab es zwischendurch leichten Nieselregen - eine wunderbare Abkühlung beim Laufen! Anfangs fand ich es wenig schwül, aber das verflog beim Laufen. Die vorsorglich mitgenommene Regenjacke kam beim Laufen nicht zum Einsatz.

Es lief gut. Ich habe mich auf meinen Körper konzentriert, habe versucht keine großen Schritte zu machen und in einem Tempo zu laufen, in welchem ich die angepeilten 10 Kilometer gut schaffen kann. Wie gut es lief wurde mir erst so richtig bewusst, nachdem ich die 20 Kilometer-Marke sah. Mensch, 20 Kilometer! So viel habe ich bisher noch nicht an einem Stück hinter mich gebracht. Und irgendwie waren die 21 Kilometer, für mich die magische Halbmarathon-Distanz, dann auch im Sack. So langsam wuchs dabei aber auch die Gewissheit, dass vermutlich bald das Catcher Car von hinten kommen würde.

Aber erst nach dem 24. Kilometer, hat es mich erwischt. Plötzlich viele Begleitfahrzeuge, Menschen fangen an zu sprinten - so auch ich. Ein letztes Mal alles rausholen, die Beschwerden ignorieren und noch ein paar Meter gut machen. Und dann war es vorbei.

Wer mitläuft, muss glücklicherweise nicht den Weg zurück laufen. Busse stehen an festgelegten Orten und sammeln die Läufer ein, bringen sie zum Start zurück. Hat gut geklappt, auch hier sehr professionelle Organisation.

Alles in allem war es ein großartiges Event! Mir hat es vor allem eines gebracht: Lust auf längere Läufe und auch daran an Events teil zu nehmen. Oben drauf gab es einen großen Muskelkater in den Beinen. Aber den habe ich gerne in Kauf genommen.

I Love Free Software

Ich will den heutigen I <3 Free Software-Day nutzen, um ein paar Dankesworte loszuwerden. Ich habe täglich damit zu tun und kann mir nicht vorstellen von diesen Projekten zu einer unfreien Alternative zu wechseln.

i3wm

Der Windowmanager ist seit meinem Wechsel zu ihm ein unverzichtbarer Teil meiner Arbeitsumgebung geworden. Er ist schnell, stabil und unglaublich flexibel. Außerdem funktioniert er grandios mit mehreren Monitoren.

Crunchbang Linux

Die auf Debian basierende Distribution gefällt mir durch die guten Voreinstellungen und die geringen Anforderungen. Leider hat der Maintainer corenominal sich dazu entschlossen die Weiterentwicklung aufzugeben, aber vielleicht wird es als Community-Projekt weiterleben.

KDE

Auch wenn ich mittlerweile selten KDE nutze, beobachte ich die Entwicklungen sehr gespannt. Über Jahre war KDE der Desktop meiner Wahl. Dabei spielten nicht nur die guten Anwendungen, sondern auch die vielen Anpassungsmöglichkeiten eine große Rolle. Gut finde ich auch, dass KDE eine moderne Umgebung schafft und nicht der Vergangenheit nachtrauert!

Z-Shell & oh-my-zsh

Da ich viel mit der Shell unterwegs bin, erfreue ich micht nur an der einfachen Möglichkeit die Shell schön auszusehen lassen, mit oh-my-zsh wird meine Shell zu einem besseren Werkzeug, das mich bei vielen Aufgaben sinnvolle Unterstützung gibt.

Python

Meine Lieblings-Programmiersprache, mit der ich noch immer viel Spaß habe und der ich vermutlich noch viele Jahre die Treue halten werde.

30 Tage vegan - mein Fazit

Für dreißig Tage haben die Frau und ich vegan gelebt. Erst mal als Experiment, begleitet durch das Buch Vegan for Fit von Attila Hildmann.

Das Buch bewirbt diese Tage als _Challenge_, in der man nicht nur die Ernährung (und ein paar andere Dinge) umstellen soll. Dazu gehört beispielsweise, dass man keinen Alkohol trinkt und Abends ab einer bestimmten Uhrzeit, bei uns war das 20 Uhr, nichts mehr isst. Nichts im Sinne von überhaupt nichts.

Wir haben uns vorher überlegt, was wir in dem Zeitraum Essen wollen und einen Plan aufgestellt. Das diente der Vermeidung von Überraschungen und der Möglichkeit besser auf Vorrat einzukaufen. Da einige Zutaten nur in geringen Mengen benötigt werden, hat sich das in meinen Augen schon gewohnt.

Die Wiederholungen beim Essen fand ich nicht schlimm, im Gegenteil gaben Sie Möglichkeiten die Rezepte eher an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Gerade in der ersten Woche waren wir teilweise sehr über die Mengen überrascht. Ich kann euch beruhigen: verhungern wird hier niemand, aber man will ja auch nicht drei Tage am Stück die gleiche Mahlzeit vor sich haben.

Die Portionen waren zumindest für mich erstmal eine Umstellung. Meistens gibt es bei mir Morgens auf Arbeit einen Kaffee und als Frühstück dann das: Das Frühstück, angeblich die wichtigste Mahlzeit des Tages, fällt bei VFF reichlich aus und bildet die Grundlage für den restlichen Tag. Nachdem ich zu Beginn wirklich kämpfen musste, habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt und will das Frühstück nicht mehr missen.

Glücklicherweise sind die Rezepte interessant und es gibt viel Abwechslung. Das gilt nicht nur fürs Frühstück, auch auf Mittag- und Abendessen trifft das ganze zu.

Rückblickend waren meine ersten Kontakte mit veganem Essen Kochrezepte, die ich irgendwo im Netz las und nachkochen wollte. Vermutlich bei bevegt und Frau Jupiter.

So ungewöhnlich die Idee anfangs klingen mag, das vegane Kochen ist wie "normales" Kochen auch, nur vielleicht mit anderen Zutaten. Ich könnte nicht sagen, welche Art der Nahrungszubereitung schneller oder langsamer ist oder mit mehr oder weniger Geschirr auskommt.

Nun gut, ein paar Unterschiede gibt es dann doch, denn man verzichtet auf tierische Erzeugnisse - kein Fleisch, Fisch, Eier und Milch, um mal die Hauptteile zu nennen. Dafür konzentriert man sich auf pflanzliches Essen, die Nahrung ist reich an Obst, Gemüse, Nüssen. Und einigen Produkten, die so ähnlich sind wie ihre tierischen Geschwister: Mandelmilch, Sojasahne. Tofu findet sich auch viel in den Rezepten. Tofu mochte ich bereits vorher sehr - ich liebe Tofu in kräftig gewürzten indischen Gemüse-Curries! Aber ich habe an der Stelle ein wenig zu meckern und das ist der Fokus auf einige teure Produkte, besonders genannt sei hier das Mandelmuß. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man auch Alternativen dazu hätte finden können.

Nachdem mein Körper gut mit Nahrung versorgt war, ist die andere Frage natürlich wie man sich dabei fühlt. Die erste Woche war okay, aber gegen Ende merkte ich, dass mir Snacks fehlten. Ich habe zuvor - eher unbewusst - eine Menge gesnackt. Hier ein Stückchen Schoki, da ein paar Gummitiere. Obwohl wir mit Frühstück, Mittagessen, Matcha-Shake (sehr, sehr toll!) und Abendessen den ganzen Tag über für unsere Versorgung geplant hatten, hatte ich zwischendurch das Verlangen nach Kleinigkeiten.

Das ist auch machbar, aber entweder man greift dabei auf Obst zurück oder muss selbst aktiv werden. Veganes Naschwerk ist prinzipiell im Laden zu bekommen, aber nicht überall und natürlich auch nicht alles. Die Liebste hat hier glücklicherweise reagiert und mich mit Crackern versorgt. So war ich deutlich weniger Grumpy. Später gab es dann noch selbstgemachte, vegane Schokolade und Amaranth-Frucht-Riegel. Die Riegel, die sind der Wahnsinn!

Man kann sie gut mitnehmen, was besonders unterwegs wichtig ist. Als Veganer muss man mit- und am besten vorausdenken. Ich habe während der veganen Zeit eine Schulung im Nirgendwo gegeben und muss gestehen, dass ich dort nicht vegan essen konnte. Je ländlicher die Gegend, desto schwieriger scheint es an veganes Essen oder besondere Zutaten zu kommen. Vegetarisch ist meinem Gefühl nach in der breiten Masse angekommen und findet sich auf vielen Speisekarten wieder, aber vegan scheint für viele sehr exotisch zu sein.

Unser Mittagessen bereiten wir meist am Vortag zu und nehmen es mit auf die Arbeit. An den Tagen, an welchen wir das nicht getan haben, hatte ich die Möglichkeit ins Mainzer Möhren Milieu zu gehen, einem veganem und nachhaltigem Café. Da war ich bereits vor der explizit veganen Zeit ein paar Mal essen und es war eine nette Abwechslung. Wenn ihr mal in Mainz seid und Hunger habt, findet man dort leckeres und günstiges Mittag.

Gefehlt hat mir während der veganen Zeit nichts. Klar, ich hätte Abends durchaus gerne mal ein Bier gehabt und der Artikel zum Burgerbraten schürte auch die Fleischelust. Letztendlich war aber alles machbar. Merkwürdigerweise bekam ich besonders Hunger auf eine vegane Knolle - Kartoffeln! Bis heute ist mir nicht klar, wieso genau darauf. War es wegen der Stärke?

Ich fühlte mich aber nicht besonders anders. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich bereits zuvor mit meiner Ernährung habe und versucht habe immer ausgewogen zu Essen. In der Regel sogar ohne Fleisch oder Fisch, aber doch viele Milchprodukte.

Komplett tierfreies Leben halte ich für möglich und machbar, habe mich aber dagegen entschieden. Dafür ist mir mag ich Frankfurter Schnitzel, Ahle Worscht und wasnochalles viel zu sehr. Vegane Küche wird es bei uns weiterhin geben, da die Frau weiter vegan leben möchte und ich es sinnlos fände, würden wir für jeden von uns extra kochen. Selbst ohne diese Entscheidung wären vegane Gerichte nicht von unserem Speiseplan verschwunden, eher mehr geworden.

Tschüss Opera

Ich war lange ein Fan von Opera. Der Browser hatte immer aktuelle HTML-Features an Board, er lief stabil und selbst dutzende von gleichzeitig geöffneten Tabs konnten ihn nicht aus der Ruhe bringen.

Leider hat Opera Software irgendwann beschlossen die eigene Engine gegen die von Chrome zu tauschen - und damit allerlei Features zu entfernen. Momentan gibt es nicht mal Support für Lesezeichen - eine der Sachen, in welcher Opera immer gegenüber anderen Browsern geglänzt hat.

Und noch eine Sache stört: die neuen Versionen gibt es nicht mehr für Linux. Seit kurzem gibt es zwar eine Developer Preview, aber eben ohne Features.

Opera ist momentan nichts weiter als ein Betrachter für Webseiten. Es war eine schöne Zeit, aber du wirst mich sicher verstehen, wenn ich sage, dass ich weiter ziehen werde. Vielleicht zu Chromium, vielleicht auch zu Firefox - der mittlerweile auch mit großen Mengen an Tabs kann und diese sogar von Haus aus in Gruppen verwalten kann. Aber du, du bist raus, Opera.

ownCloud auf Synology NAS: Fix für Probleme beim Download

Beim Setup einer ownCloud-Instanz auf einem Synology NAS stand ich vor dem Problem, dass ich anschließend über das Webinterface keine Dateien herunterladen konnte.

Das Log zeigte die folgende Meldung:

(20023)The given path was above the root path: xsendfile: unable to find file:

Die Lösung find ich in diesem Foren-Post.

In der Datei /etc/httpd/conf/extra/mod_xsendfile.conf-user habe ich die Option XSendFilePath dem entsprechenden Pfad der Installation eingetragen:

XSendFilePath /volume1/web/owncloud

Anschließend habe ich den Webserver neu gestartet:

httpd -k restart

Läuft.

Wie andere Programmiersprachen uns beeinflussen

Oftmals kann man am Code erkennen mit welcher Sprache der Schreiber vorher gearbeitet hat. Mir ging es definitiv so, dass ich zu meinen Anfangstagen von Python stark von Java beeinflusst war und entsprechende Denk-Muster auch in Python versucht habe anzuwenden. Das hat meist dazu geführt, dass der Code aufwändiger war, als es sein müsste. In der Hinsicht fand ich besonders den Code like a Pythonista gut, welches mich sehr beeinflusst hat.

Sehr interessant fand ich Unpythonic Python, da hier Beispiel-Code gezeigt wird, wie er von jemandem kommen könnte, der vorher in $Sprache programmiert hat und nun zu Python wechselt.

Mitfahren bei der Critical Mass Darmstadt

Vergangenen Freitag habe ich eine sehr angenehme Erfahrung gemacht, denn ich bin bei einer Critical Mass mitgefahren. Die Gruppe von knapp 20 Radlern begann ihre Fahrt am Darmstädter Marktplatz und fuhr dann quer durch die Stadt.

Da eine Gruppe ab 15 Radfahrern als Verband gilt und eine ganze Fahrbahn belegen darf, wurde das Angebot der StVO gerne angenommen. Dass es entsprechende Regelungen gibt, scheint nicht jeder Autofahrer zu wissen, aber das hat der guten, entspannten Stimmung keinen Abbruch getan.

Die gute Stimmung hat mich sehr überrascht, jeder schien Spaß zu haben. Die Gruppe hat aufeinander acht gegeben und es wurde so gefahren, dass jeder mitkommt.

Ich war nach einer Stunde anderweitig verabredet und habe mich verabschiedet, aber meinen Platz haben andere eingenommen. Es waren einige interessierte Passanten und Radler unterwegs und von den Radlern schlossen sich sogar welche spontan an. Alles gar kein Problem.

Ich hoffe, dass diese Gruppenfahrt für mehr Warhnehmung der Radfahrer als Teilnehmer im Straßenverkehr sorgt. Wenn ich mit dem Renner unterwegs bin kommt es immer wieder vor, dass ich angehupt werde oder mir mehr oder weniger freundliche Gesten zu sehen bekomme. Mein bestes Rezept dagegen ist Lächeln und Winken. Glücklicherweise beschränkt sich die Anzahl der unfreundlichen Autofahrer auf eine kleine Gruppe.

Auch hoffe ich auf eine Wahrnehmung der Stadt, da es zwar ein Bewusstsein gibt, dass Radfahrer existieren, die Straßenführung für Radfahrer in Darmstadt aber in meinen Augen vielerorts nicht optimal gelöst ist. Bei der Straßenplanung war es vermutlich wichtig dem automobilen Verkehr freie Fahrt zu ermöglichen. Einerseits wenig verwunderlich bei der Menge an Autos, die täglich durch Darmstadt fahren, andererseits wäre die Förderung weniger umweltverschmutzender Fortbewegungsmittel deutlich attraktivitätsfördernd.

Zumal ich die Hoffnung habe, dass bei besserer Infrastruktur auch mehr Radler in Darmstadt unterwegs sind. Es ist nicht wie die Niederlande, aber die Steigungen sind überschau- und überwindbar und die Fläche von Darmstadt ist gering genug, dass man keine großen Strecken zurück legen muss. Trotz verbesserungswürdiger Infrastruktur ist für mich das Fahrrad in Darmstadt ganz klar Fortbewegungsmittel Nummer eins. Ich muss nicht warten, bis es fährt und bin ruck-zuck an meinem Ziel.

Wer Lust hat sich selbst ein Bild zu machen, am zweiten Freitag im Monat treffen sich die Radler auf dem Darmstädter Marktplatz. Termine werden angeblich auch auf Facebook und Twitter verkündet.

ffm.de Relaunch - und wieso das ein schlechtes Signal sendet

Vorgestern verschwand der Bürgerhaushalt, den man zuvor unter ffm.de fand. Und gestern tauchte dann ffm.de mit neuem Inhalt auf. Ganz neu mit dabei der Punkt Mängelmelder. Man kann nun von seinem Browser aus auf einer Karte einen Punkt auswählen und diesen mitsamt einer kleinen Beschreibung an die Stadt Frankfurt melden, so dass diese sich darum kümmert.

Keine neue Idee, gabs doch schon? Ja, genau das wurde bereits seit den Frühzeiten von Frankfurt Gestalten angeboten. Und das funktioniert auch in der neuen Version noch - ja, ist sogar einer der elementaren Teile von FG. Wir wollten schon immer eine Plattform bieten um Politik mitgestalten zu können.

"Gute Ideen werden nun mal kopiert, wo ist das Problem?" mag sich eins denken. Das Problem ist für mich das Signal, dass da von der Stadt kommt. Anstatt eine Kooperation mit den Ehrenamtlichen zu suchen, zieht man sowas lieber ohne sie hoch. Klar, so hat man die Hoheit über die Daten, kann selbst moderierend eingreifen und es selbstständig weiterentwickeln. Aber es war nie so, dass sich FG gegen das Mitmachen der Stadt gesträubt hat, es kam in diesen Punkten einfach kein Input der Stadt. Und ich sehe keinerlei Bestreben der Stadt die Plattform weiterzuentwickeln, schließlich ist es von der sehr geheimnisvollen Firma polidia GmbH entwickelt worden. Und nach all den Bemühungen von FG zu einer Kooperation mit der Stadt kommt der Mängelmelder der Stadt Frankfurt für mich einem Schlag in die Magengrube gleich.

Die Stadt Frankfurt hat vermutlich nicht unerheblich Steuergelder darauf verwendet, dass sie etwas kopieren, was in ihrer Stadt - für ihre Stadt - bereits existiert. Ob aus Ignoranz oder Unwissenheit kann ich nicht sagen, aber beides ist für mich eine schlechte Entschuldigung dafür, dass in einem Jahr 35.000 Euro jährlich aufgewendet werden müssen.

Ich hätte mich um einiges mehr gefreut, wenn man das Geld genutzt hätte das total veraltete Parlis zu überholen und mit einer API auszustatten, um so auch anderen Anwendungen den Zugriff auf die Daten des Parlamentsinformationssystem zu bieten. Und so werden offene Daten mal wieder mit Füßen getreten.

Und Deutschland, du wunderst dich, dass man hier von Politikverdrossenheit spricht?


Wer abseits meiner persönlichen Empfindungen Kritik zu ffm.de lesen will, dem sei hiermit dieser Post im Blog von Frankfurt Gestalten ans Herz gelegt.

London - Istanbul per Fahrrad

Ich mag das Extreme, das Außergewöhnliche. Da ist es vermutlich kein Wunder, dass ich mich an den Videos von Eriks und Receps Teilnahme am Interkontinental-Rennen von London - über die Alpen - nach Istanbul erfreue. Die Strecke von ungefähr 3100km legen sie mit dem Fahrrad zurück.

Das Rad ist dabei eines ihres Arbeitgebers Specialized, der die Fahrt ermöglichte und vermutlich auch für die filmische Begleitung sorgt. Glücklicherweise ist das ganze kein Werbefilm, vermutlich eher als geschicktes Producte Placement zu verstehen. Interessant finde bei den Rädern besonders, dass Erik sein Rad mit einem Riemen anstatt Kette antreibt. Das lässt sich unter anderem auf dem zugehörigen Tumblr bei der Radvorstellung schön sehen.

Zurück zum Film: Die schönen Strecken gepaart mit den Monologen der beiden Teilnehmer geben ein interessantes Bild, das leider nur an der Oberfläche zu kratzen scheint. Ich hätte mich über mehr Tiefe, über mehr Landschaft gefreut. Trotzdem ein eindrucksvolles Video in 1, 2, 3, 4 Teilen.

#DieIdealeDigitale – Wie ich mir eine perfekte Online-Zeitung vorstelle

Meistens treibt es mich in Zeitschriftenläden, wenn ich eine Reise vor mir habe. Fahre ich nicht selbst, dann lese verbringe ich die Zeit gerne mit lesen. Manchmal sind es Bücher, aber meistens versuche ich an eine Tageszeitung zu kommen.

Und damit fängt mein Dilemma an, denn ich kann mich grundsätzlich nicht für eine entscheiden. Die Schlagzeilen der meisten Zeitungen sind für mich die Schlagzeilen von gestern. Die Artikel sind meistens die Artikel von gestern. Maximal die Kommentare sind für mich noch neu genug.

Das liegt vermutlich daran, dass ich sehr viel Nachrichten lese und versuche mitzubekommen, was in der Welt passiert. Was mir am heutigen Tag als Neuigkeit im Print verkauft werden soll, habe ich vermutlich gestern - oder früher - schon online gelesen. Im schlechtesten Fall wiederholen verschiedene Zeitungen zusätzlich noch die gleichen Meldungen, die sie von irgendeiner Nachrichtenagentur bekamen.

Eines Morgens war ich davon so gefrustet, dass ich diesen Frust vertwittert habe und erstaunlich viele Reaktionen darauf bekam. Unter anderem eine Einladung doch meine Erwartungen an eine (digitale) Zeitung mal in mehr als 140 Zeichen zu fassen und bei der #DieIdealeDigitale Blogparade mitzumachen. Also, hier sind meine Wünsche und Erwartungen.

Die ideale digitale Zeitung muss unabhägig vom Gerät zu lesen sein. Dabei soll es nicht nur um Desktops und verschiedene Mobilgeräte gehen, auch das Format sollte flexibel sein. Als digitale Zeitung wird sich natürlich das meiste um eine Webseite drehen, aber es sollte auch möglich sein ohne Internetanbindung Artikel zu lesen, bspw. indem man sich vorher eine Plaintext-Datei mit einzelnen Artikeln aufs Gerät schob oder gleich ein PDF mit der kompletten Ausgabe. Natürlich ist das ganze ohne DRM irgendeiner Art möglich.

Als ideale Zeitung weiss sie, welche Themengebiete mich interessieren und versteht es auch mir morgens eine Zusammenfassung der neuen Meldungen zu zeigen - entweder auf meiner persönlichen Seite auf der Webseite oder per Mail. Denn eine meiner ersten Handlungen besteht meist darin noch im Bett liegend die Schlagzeilen des Tages durch zu scrollen.

Weil sie so neu und fancy ist, hat sie sich losgesagt von der Arbeit mit einer festgelegten Arbeitszeit und versorgt mich rund um die UUhr mit Neuigkeiten - selbst wenn diese Nachts um drei erscheinen. Nichts ist merkwürdiger, als früh morgens oder am Wochenende festzustellen, dass angeblich nichts passiert sein soll, weil sich die Nachrichten nicht änderten.

Auch bei den Inhalten ist meine ideale anders: sie ist investigativ und arbeitet selbstständig an Geschichten. Nachrichtenagenturen können einen Anstoß für einen Artikel liefern, aber sollten niemals 1 zu 1 kopiert werden - und erst recht nicht innerhalb mehrerer Artikel zu einem Thema. (Hallo Der Spiegel.)

Eine Sache, gegen die ich mich absolut ausspreche, ist die Einführung eines _Sport_ Ressorts. Nichts nervt mich mehr, als überall die Ergebnisse des letzten vermeintlich wichtigen Sport-Ereignisses - meist Bundesliga - zu lesen. Die Nachrichten zu sportlichen Themen sind in Nicht-Sport-Zeitschriften meist ziemlich platt und ich verzichte gerne darauf. Wenn ich Sport lesen will, dann lese ich Sport-Zeitschriften ;)

Ein Lokalresort wäre schön, aber ich habe keine gute Idee zur Umsetzung. Einerseits will man eine breite Abdeckung - jedem seinen eigenen Lokalteil - anderseits wird es schwierig sein überall einen Mitarbeiter zu haben, der sich hauptsächlich um lokales kümmert. Außerdem kann es bei nur einem Mitarbeiter schnell zu einer _eintönigen_ Berichterstattung führen - mir wären mehrere Mitarbeiter lieber.

Den lokalen Teil könnte man eventuell Crowdsourcen. Wer mag, der kann Artikel schreiben, die - nach einer Prüfung und eventueller grammatikalischer Korrektur - im Medium erscheinen. Wenn ich mich recht entsinne nutzt die Technik News-Seite Golem eine solche Variante, bei der quasi jeder als freier Redakteur Artikel einreichen kann und dafür auch entlohnt wird.

Meiner Wahrnehmung nach, sollten Zeitungen eine Art korrektive "Macht" in einer Demokratie sein. Doch scheinen viele Zeitungen unreflektiert Meldungen zu übernehmen und eine kritische Auseinandersetzung mit "offiziellen Meldungen" egal von welcher Stelle vermisse ich. Als Whistleblower müsste ich in Deutschland vermutlich lange Suchen, um eine geeignete Zeitung zu finden, die es wagt den Finger in die Wunde zu legen und zu bohren. Der Guardian ist hierbei ein wirklich gutes Beispiel.

Zu guter letzt soll die ideale Zeitung unabhängig sein und auch breit gefächerte Meinungen vertreten. So angenehm es ist, wenn die Artikel einem nach dem Mund reden, so schlecht ist es für die Bildung einer eigenen Meinung. Auch wenn ich mir eine eher linke Publikation wünsche, finde ich es immer gut über den Tellerrand zu schauen. Eine Zeitung kann ein gutes Mittel sein bei der Meinungsbildung zu helfen, sie sollte diese Arbeit aber nicht vollständig übernehmen. Die Unabhängigkeit soll auch nicht bei den Geldgebern aufhören - selbst wenn ein Artikel beispielsweise einen Werbekunden in schlechtem Licht darstellen könnte.

Bei all den Ideen und Idealen, muss das aber auch irgendwer bezahlen. Grundsätzlich bietet sich natürlich das "alte Modell" an, dass man die Seite und Artikel mit Werbung überzieht. Funktioniert, aber ich würde es nicht als alleinige Finanzierungsmethode verwenden. Ich würde es als Ergänzung verstehen und die Werbung sollte auch einigen gestalterischen Begrenzungen unterliegen - nichts ist nerviger, als wenn man plötzlich ein riesiges Flash-Overlay hat, das in voller Lautstärke Musik abspielt und man erstmal den Schließen-Button suchen muss.

Ich gehöre zu den Leuten, die durchaus bereit sind für gute Nachrichten oder Features zu zahlen. Ich stelle mir vor, dass die Seite grundsätzlich frei zugänglich ist, vielleicht mit ein wenig Werbung für die nicht angemeldeten Besucher. Aber die Offenheit ist wichtig, damit ich die Nachrichten auch weiterverbreiten kann - wer schon mal einen Link zu einem Artikel bekommen hat, den aber wegen Paywall nicht lesen konnte, weiss was ich meine. Aber man könnte einige Dienste rund um die Nachrichten anbieten, die nur Premium-Kunden bekommen: die zuvor angesprochenen alternativen Formate der Artikel, eine Art persönlicher Startseite, die nur Meldungen aus bestimmten Bereichen anzeigt oder die Möglichkeit zu bestimmen ob und wann man Zusammenfassungen der neuen Artikel zugemailt bekommt. Vielleicht auch ein ganz simpler RSS-Feed nach eigenen Vorlieben. Das wären Dienste, die für mich einen Mehrwert darstellen und mir dadurch auch etwas wert sind. Sollte sich durch die zahlenden Leser genug Geld einnehmen lassen, so würde ich am liebsten auf die Werbung zu verzichten. Je mehr Nische, desto besser scheint es zu funktionieren. Aber auch für nicht so ganz nischige Seiten, scheint es zu klappen - ich sehe dort the changelog als interessantes Beispiel.

Ich hoffe einfach dass meine digitale Zeitung, wenn sie irgendwann entsteht, nicht zu sehr Nische ist, sondern ich sie auch finde. Bis dahin clicke ich mich einfach weiter durchs Netz...