Linux fürs Netbook: Moblin

2009-10-06 21:18

Ja, Moblin v2 rockt. Und zwar ziemlich! Moblin ist eine Linux-Distribution, die speziell für Netbooks und das Leben online entworfen wurde. Das speziell ist hierbei auch ernster zu nemhen als beim Ubuntu Netbook Remix, da Moblin nicht nur auf eine spezielle Oberfläche, sondern auch auf für die Atom-Plattform optimierte Pakete setzt.

Die Oberfläche ist eine eindeutige Besonderheit von Moblin. Sie sieht gut aus und es macht viel Spaß mit ihr zu Arbeiten. Aufgebaut ist sie so, dass man oben die Menüleiste findet, über welche man zu weiteren Anwendungen gelangt. Hervorgeholt wird die Leiste entweder indem man mit der Maus an den oberen Bildschirmrand fährt oder indem man die Super-Taste, aka. Windows-Taste, drückt.

Die Menüleiste offenbart dem User dann Zugriff auf...

  • myZone Hier laufen Termine und die Lieblingsanwendungen auf der linken Seite; zuletzt besuchte Webseites, betrachtete Bilder oder gespielte Lieder in der Mitte und Nachrichten von z.B. Twitter oder last.fm auf der rechten Seiten zusammen.
  • Status Hier kann man Microblogging-Texte abschicken oder den Status für Instant-Messenger setzen.
  • Leute Bietet Zugriff auf die Leute in der Kontaktliste oder im Adressbuch. Durch einen Click auf einen User kann man mit ihm chatten. Wenn sich denn der Instant-Messenger verbinden möchte. Das geht bei mir leider nicht problemlos, vorallem mit meinem Jabber-Account scheint hier Empathy auf Kriegsfuß zu stehen. Schade eigentlich!
  • Internet Hier findet sich der Browser von Moblin. Der User-Agent gibt den Browser als Firefox 3.5 aus und verwendet demzufolge die Gecko-Engine für das Rendering der Webseiten . Allerdings bietet er kaum Einstellungsmöglichkeiten und auch keinen Support für PlugIns.  Somit kann ich leider keinen Werbeblocker installieren, was sehr schade ist.

    Eine Wiedergabe von HD-Videos auf Vimeo klappt leider nicht ohne Ruckler, mit normalen Videos auf Youtube kann der Zwerg aber problemlos umgehen.

  • Multimedia Hier bekommt der User Zugriff auf seine Bilder und Musik geboten. Leider konnte ich Moblin keinen Sound bei einer zum Testen heruntergeladenen MP3 entlocken, der Testton von Moblin kam aber klar und deutlich aus den Boxen.
  • Zwischenablage Wie der Name schon sagt, findet sich hier das Clipboard. Man kann, nachdem man einen Text markiert hat, zur Zwischenablage gehen und ein Drück auf "Kopiere" speichert diesen dann zwischen. Die Zwischenablage kann man durchsuchen und so auch größere Texte wiederfinden.
  • Anwendungen Hier findet sich nun ein Menü im klassischen Sinne, bei dem man Anwendungen in verschieden Kategorien eingeteilt finden und starten kann. Damit man nicht mühsam alle Anwendungsbereiche auf- und zuklappen muss. Hovert man eine Anwendung, so hat man die Option die Anwendung per Stecknadel festzupinnen. Damit erscheint die Anwendung sowohl hier als Lieblingsanwendung, als auch in der myZone, sodass man schnell darauf zugreifen kann.
  • Zonen Die Desktops, von denen man mehr als einen haben kann, nennen sich bei Moblin simpel Zonen. Hier kann man zwischen den angezeigten Anwendungen umschalten.
  • Energie und Helligkeit Hier kann man die Bildschirmhelligkeit anpassen und sieht den Batteriestatus. Bei meinem Samsung NC10 funktioniert das mit der Helligkeit anpassen leider nicht, der Bildschirm leuchtet unter Moblin fröhlich vor sich hin! Das trägt sicher dazu bei, dass Moblin einiges an Energie verbraucht.
  • Lautstärke Hier kann man Moblin sowie die Warntöne stumm schalten oder die Lautstärke anpassen. Auch findet man hier einen Testton um zu checken, wie laut oder leise die Ausgabe nun ist.
  • Netzwerke Hier findet man Zugriff auf Netzwerke in seiner Umgebung. Recht simpel gemacht und funktioniert auch ohne Probleme. Zusätzlich hat man Möglichkeiten einzelne Geräte zu deaktivieren, z.B. ist WLAN obsolet, wenn man sowieso per Kabel surft.
Moblin_Home

Moblin_Browser

Moblin_Wifi

Moblin_Sound

Mit Moblin kann man also einiges machen. Am besten ist natürlich, wenn man Internetzugang hat. Zum Arbeiten ist Moblin in meinen Augen nur minimal geeignet, aber wer gerne unterwegs ist und mit seinem Netbook surft, dem kann ich Moblin ruhigen Gewissens empfehlen. Auch für viele Gelegenheitsanwender kann Moblin reizvoll sein, wenn diese hauptsächlich mal im Web surfen wollen.

Allerdings hat Moblin noch ein paar Dinge, die in meinen Augen verbessert werden können. Allem voran ist die Akkulaufzeit, da entpuppt sich Moblin als zu energiehungrig! Für einen Rechner am Netzteil ist das kein Problem, für den mobilen Dauereinsatz schon. Dann hätte ich gerne mehr Rückmeldungen, wenn Fehler auftreten. Warum mein Jabber -Account nicht so recht will, weiß ich nicht. Es werden keine Fehlermeldungen ausgegeben und mich tief in Logfiles eingraben wollte ich nicht.

Einige User wird sicher auch der relativ begrenzte Paketvorrat stören. Dafür glänzt die Moblin-Software dadurch, dass sie sich gut in Moblin integriert und meist recht flott ist. Die Pakete wurden wirklich für Moblin und die Atom-Plattform zusammengebaut, was man auch bei der Startzeit bemerkt. Moblin benötigt um die 15 Sekunden für einen Start und das ist in meinen Augen sehr ordentlich!

Wer durch diesen Post neugierig wurde, dem rate ich einen Testlauf per USB-Stick. Images und Anleitung gibts bei Moblin. Danach kann man noch immer überlegen, ob man sich Moblin auf dem Netbook installiert. Wie man einen Dualboot dazu einrichtet erfahrt ihr hier.