JP Morgan Corporate Challenge

2010-06-10 21:46

Manchmal macht man Dinge, von denen man denkt, dass man dazu nicht in der Lage ist. Gestern war für mich so ein Tag. Es war der Tag des JP Morgan Corporate Challenge, ein Lauf mit wohltätigem Hintergedanken durch die Frankfurter City.

5,6 Kilometer bei relativ schwülem Wetter mit 76.000 Konkurrenten. Nicht die besten Voraussetzungen für einen angenehmen Lauf, mir hätte es vor Allem ohne diese drückende Hitze besser gefallen.

Aber ich hatte mich vor einiger Zeit entschlossen daran teilzunehmen und nur weil nicht mein Wunschwetter herrscht werde ich nicht kneifen. Zumal bis zum Abend noch nichts von den angekündigten vereinzelten Schauern zu sehen war. Egal wie das Wetter nun sein sollte, mein Ziel war schneller als 30 Minuten zu sein.

Wieso läuft jemand bei so was mit? Man muss lange stehen, bis man loslaufen kann und auf der Strecke ist man nicht alleine. Irgendwo ist da natürlich der Sportsgeist der einen antreibt. Ich laufe gelegentlich Abends und mache bei meiner Lauftour den Frankfurter Ostpark unsicher. Ich habe die Strecke noch nie vermessen, aber ich denke, dass ich deutlich weniger Laufe als die Distanz des JPMCC. Zumal ich auf meinem Weg vom oder zum Park oft noch an Ampeln warten muss, bis ich die Straße überqueren kann. Verkehrstechnische Zwangspause sozusagen ;)

Und zum Anderen das kleine Gefühl im Hinterkopf, dass einem einbläuen möchte, dass man mit der Teilnahme etwas gutes tut. Pro Starter gehen 3€ an die Deutsche Sporthilfe, wobei die eine Hälfte von JP Morgan und die andere von der Firma, für die man antritt, getragen wird.

Ja, der JPMCC ist ein Lauf für Arbeitnehmer. Die werden meist vom Arbeitgeber mit mehr oder minder originellen T-Shirts ausgestattet. Und für viele ist es ein Firmen-Event, wo die Kollegen zum Anfeiern dabeistehen und nach dem Lauf noch auf ein, zwei Bierchen dableiben. So auch bei mir. Glücklicherweise herrscht unter den Läufern gute Stimmung und die Firma ist erstmal egal. Alle wollen laufen, alle wollen ankommen und wenn man Spaß dabei hat ist das umso besser.

Natürlich wollen alle vorne laufen und früh starten. Durch die großer Teilnehmerzahl muss man einige Zeit warten, bis der Lauf losgehen kann. Viele wollen so weit vorn wie möglich starten. Für die bewiesen guten Läufer gibt es einen abgesonderten Startbereich gaaaanz vorne. Ich hatte Glück mit ein paar Azubis unterwegs zu sein, die beim Start so weit nach vorne wollten wie möglich. Weit nach vorne! So haben wir uns durch die Menge geschoben, bis wir irgendwann ganz vorne waren. Das hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass wir hinter die Top-Starter kamen. Das läuft nämlich so ab, dass kurz vor dem Start der Startbereich für normale Starter hinter den der Top-Starter vorgelassen wird. Zuvor ist der Bereich der Top-Starter abgetrennt, damit diese sich warmlaufen können.

Vor dem Start wurde ich oft auf meine Schuhe angesprochen, viele Leute haben geschaut. Ich hatte keine normalen Lauf-Schuhe an sondern Vibram Fivefingers KSO. Seit einiger Zeit meine Wahl zum Laufen und immer öfter auch als angenehmer Freizeitschuh. Die Fivefingers sehen aus wie Zehensocken, nur haben sie darunter noch eine Sohle aus Vibram. Man nennt die Schuhe Zehenschuhe, weil sie an eben jene Socken erinnern. Oft hab ich die Frage gehört, ob die Schuhe schneller machen. Ich bezweifle es, aber ich laufe gerne und gut darin.

Sie haben mir Halt gegeben und einen relativ guten Start ermöglicht, nachdem der Startschuss viel. Auch unterwegs hatte ich keinerlei Probleme damit, egal ob ich auf nasser oder erdiger Oberfläche lief. Sowieso sollte man beim Laufen andere Sorgen haben als seine Ausrüstung. Wenn ich laufe, dann mit möglichst wenig Ausstattung und ohne Gadgets. Uhr, Handy und Pulsmesser bleiben bei mir daheim.

Beim Laufen laufe ich für den Moment. Und um ins Ziel zu kommen. Ich mache mir keine Gedanken über meinen Puls, ich fühle wenn meine Kondition nachlässt und wenn ich noch reserven habe. Laufen ist Bauchsache.

Und mein Bauch wollte nach nicht mal der halben Strecke einfach stehen bleiben. Die alte Oper war noch nicht in Sicht, da hab ich mir schon gewünscht, dass bald das Ende erreicht ist. Mein Gefühl sagte mir, dass ich meine übliche Strecke schon haben müsste und so langsam den Lauf ausklingen lassen könnte. Aber meine Beine wollten weiter und ich auch!

Meiner Meinung nach ist einer der größten Fehler beim Laufen, dass man aufhört zu laufen. Man kann langsamer werden, aber kompletter Stillstand ist meist das Ende. Ich habe mich weitergequält, ein wenig Tempo weg und ich wusste, dass bei der alten Oper eine Station mit Wasser wartet. Während dem Laufen trinken ist nicht so einfach, aber mir ging es eher um Abkühlung und ein wenig Feuchtigkeit im Mund als um Durst. Das Wasser war super!

Und danach war es auch nicht mehr weit bis zu den Kollegen, die laut jubelten und beim Vorbeirennen abklatschten.

Eine Besonderheit sind immer die verschiedenen Firmen. Nicht nur wegen den Trikots, sondern weil viele Firmen an den Seiten stehen und anfeuern - nicht nur die eigene Firma, sondern alle. Mich hat die gute und lockere Stimmung begeistert!

Aber weiter im Lauf, der, so zeigte ein Schild, nur noch eineinhalb Kilometer dauern sollte. Das waren verdammt lange eineinhalb Kilometer! Ich hab beständig darauf gewartet bald das Ziel zu sehen, aber es wollte einfach nicht in mein Sichtfeld. Irgendwann sah ich den Zielbogen und das war ein Moment, der nochmal Energie in mir frei gesetzt hat. So kurz vorm Ziel, man weiß dass es gleich zu ende ist, da muss einfach nochmal durchgepowert werden!

Zieldurchlauf, Wahnsinn! Es ist geschafft, ich bin geschafft! Nicht stehenbleiben, nur nicht stehenbleiben. Am liebsten hätte ich mich hingesetzt, aber wie schon vorhin erwähnt: kein Stillstand! Also langsam gelaufen. Mehr ging nicht. Die Beine brennen, man spürt die Muskeln und will sich eigentlich nur noch setzen. Aber man muss ja noch zur Firma zurück! Also gegangen, ich würde schätzen weitere 1,5km. Unterwegs gabs Wasser und Bananen. Riesige Mengen an Bananen, große Tapeziertische voll.

Endlich in der Firma angekommen gings ans Zeit abgeben und danach erstmal unter die Dusche. Aber welche Zeit habe ich eigentlich erreicht? Ich habe meine angepeilte Zeit von 30 Minuten um über 7 Minuten unterboten und ein bisschen weniger als 23 Minuten benötigt. Ich war wirklich erstaunt von mir selbst, denn so gut hätte ich mich nimmer eingeschätzt! Egal wie es im nächsten Jahr aussieht, ich will wieder mitlaufen und die Stimmung und das Drumherum genießen! Außerdem habe ich noch einen Ansporn dabei: nicht langsamer als 23 Minuten zu laufen. ;)

Und wie sieht es heute aus? Einen Tag danach habe ich ein wenig Muskelkater und mein linker Fuß schmerzt gelegentlich. Aber ich denke das wird in den nächsten Tagen wieder vorüber gehen :)