Ich mag Wikileaks

2010-12-03 15:57

Der große Hype ist aus den Medien verschwunden, doch mich beschäftigt die neueste Veröffentlichung von Wikileaks noch immer. In meinen Augen rockt das, was Wikileaks getan hat, es bringt viele Infos über die "große" Politik. Dass unser Außenminister nen Idiot ist und unsere Führerin Kanzerlin nicht besonders kreativ, ist für die Menschen hier sicher kein Geheimnis.

Umso interessanter finde ich die Dinge, die man sonst noch aus den Memos erfährt. Ich vermute mal, dass sich jeder Geheimdienst dieser Erde - außer den amerikanischen - über die Dokumente freut, denn so können Sie ihre Daten abgleichen und Erfahrungen bestätigen oder hinterfragen.

Ich finde es auch interessant, wieviel Angst die USA vor Wikileaks hat - als hätten sie noch mehr zu verbergen. Erst stimmen sie befreundete Botschaften auf die Dokumente ein. Dann wird wieder versucht die Veröffentlichung der Dokumente per DDoS zu verhindern, wobei dafür angeblich nur ein einzelner Amerikaner verantwortlich ist. Daraufhin zieht Julian Assange die Dokumente in in die Amazon Cloud um. Doch das gefällt dem Vorsitzenden des amerikanischen Heimatschutzministerium nicht und dieser sorgt mit seinen Nachforschungen dafür, dass Amazon kuscht - im Sinne der Amerikaner. Offiziell gibt Amazon allerdings Urheberrechtsverletzungen an. Auch Wikileaks ursprünglicher Domain-Hoster hat die Zusammenarbeit gekündigt und nach kurzer Nicht-Erreichbarkeit der Domain hat man unter wikileaks.ch ein neues Zuhause gefunden. Alternativ funktioniert auch wikileaks.info, welches momentan zur Auflistung verschiedener Mirror verwendet wird.

Ein wenig verwunderlich finde ich es noch, dass noch kein Torrent für die Kabel existiert. Aber das wird hoffentlich nach der Veröffentlichung aller Dokumente auch folgen!

Frau Clinton sieht die Veröffentlichung ihrer Dokumente als Angriff gegen die USA und die Weltgemeinschaft. Schon im Vorfeld wollten sie die Veröffentlichtung verhindern, weil es angeblich Menschenleben gefährde. Die Australier wollten sogar jeden Link auf Wikileaks mit Strafzahlungen belegen, haben sich dann aber wohl doch anders entschieden. Wieso damit Menschenleben gefährdet werden, muss sie mir aber nochmal erklären.

Und am schönsten ist dann im Popcorn-Kino wieder der Versuch Assange als nicht vertrauenswürdig darzustellen. Wieder mal mit dem Vorwurf der Vergewaltigung, woraufhin Assange prompt auf der Fahndungsliste von Interpol landet. Weil er mit zwei Frauen bei fünf Gelegenheiten geschlafen haben soll. Fünf Gelegenheiten. Im Ernst, wenn ich vergewaltigt wurde, dann werde ich doch nicht sagen "war geil, wieso machen wir es nicht noch 2-3 mal", sondern gehe gleich zur Polizei.

Die britschen Behörden können ihn aber dann doch nicht in ihrem Land festnehmen, weil der Haftbefehl Formfehler enthält.

In meinen Augen ist das alles vorgeschoben und wird wohl zu keiner Verurteilung führen. Zu dem Schluss, dass die Anklage inszeniert wurde kommt auch ein Kommentar auf Telepolis, bei welchem zusätzlich ein mir neues Detail ans Licht kommt: Die beiden Damen haben in SMS damit geprahlt, dass sie mit Assange gepoppt haben. Sieht so Vergewaltigung aus?!

Alles in allem finde ich die Arbeit von Wikileaks und deren Kopf Julian Assange sehr wichtig und wertvoll, weil es zu Transparenz und Aufdeckung von Straftaten führt.

Mindestens genau so wichtig und noch heldenhafter sind die Menschen, die den Zugriff auf solche Informationen ermöglichen - sei es nun Daniel Ellsberg, William Felt, Katherine Gun, Bradley Manning oder wie sie alle heißen.

Die Welt braucht solche Menschen! Die Welt braucht so etwas wie Wikileaks.