Welche Distribution für mich?

2011-11-15 21:29

Linux ist schon lange kein Fremdwort mehr. Selbst die Nicht-Geeks wissen mittlerweile, dass es Linux gibt. Vom einstigen Freak-System ist es zur massenkompatiblen Alternative geworden, die junge und alteingesessene User gleichermaßen begeistern kann. Nun bist du an dem Punkt, wo du es selbst ausprobieren möchtest - und die Auswahl erschlägt dich.

Ich will hier eine kleine Übersicht über aktuelle Oberflächen und Systeme geben, um es der geneigten Einsteigerin einfacher zu machen einen Einstieg zu finden.

Oberflächen

Oberflächen, was für Oberflächen? Wo es unter Windows oder Mac nur eine einzige gibt, maximal noch einen zusätzlichen Modus für ältere Hardware, hat man unter Linux freie Auswahl aus zig verschiedenen Desktop Environments.

Dabei gibt es zwei, die eine besonders große Verbreitung gefunden haben: GNOME und KDE. Neben diesen werde ich noch auf Unity, welches von Ubuntu genutzt wird, und XFCE eingehen. So eine Oberfläche besteht meist aus mehr als nur ihrem Aussehen, viele bringen gleich viele Programme mit - von der Bildbetrachtung über die Dateiverwaltung zum Musik- und Videoplayer.

GNOME

GNOME 3

Gnome 3

GNOME bietet eine einfache, solide anmutende Oberfläche. Es gibt keine übermäßigen Effekte, das Ziel ist, dass der Benutzer sich auf die Arbeit konzentrieren kann. Die Gnome Shell nimmt dem Benutzer viele Entscheidungen ab, was für fortgeschrittene Benutzer abschreckend wirken kann. Es existiert trotzdem für quasi alles ein Schalterchen und vieles kann konfiguriert werden - wenn man weiss, wo man es findet.

Die Gnome Shell wirkt einheitlich und aufgeräumt, die Entwickler haben sich viele Gedanken über Arbeitsabläufe gemacht. Man kann chatten, ohne die Fenster wechseln zu müssen, nach Anwendungen oder Kontakten sucht man, indem man einfach zu tippen anfängt.

Der Ressourcenverbrauch ist recht gering, für eine komplette Umgebung kann man mit ca. 150MB Arbeitsspeicher rechnen. Die Gnome Shell will (noch) 3D-Beschleunigung, aber selbst mein altes Netbook schafft das. Ist keine 3D-Beschleunigung vorhanden, gibt es noch einen Fallback-Mode.

GNOME 2

Gnome 2.28

Die Entwicklung konzentriert sich beim GNOME-Projekt auf die aktuelle Version, aber die zweite Version hat noch immer viele Anhänger. Schließlich ist hier über Jahre ein Desktop-System herangereift, das stabil und für viele Menschen intuitiv zu bedienen ist.

Es gibt bereits Pläne der Linux-Mint Jungs, dass sie durch Erweiterungen der GNOME Shell eine Oberfläche wie Gnome 2 wird. Da Gnome 3 erstaunlicherweise noch sparsamer ist als sein Vorgänger, finde ich das durchaus eine tolle Idee!

KDE

KDE SC 4.7

Eigentlich KDE SC - K Desktop Environment Software Compilation. Umgangssprachlich einfach KDE. Der große Gegenspieler zu Gnome macht einen moderneren Eindruck - geht aber mehr bei der Technik neue Wege, nicht beim Bedienkonzept. Wer bereits einen PC genutzt hat, wird sich hier vermutlich sehr heimisch fühlen.

Schicke Grafiken, mehr Effekte und hunderte von Einstellungsmöglichkeiten bieten Bastlern eine ideale Basis.  Für alle anderen gibts einfach eine schicke Arbeitsumgebung. Mit Widgets, hier Plasmoids genannt, und Aktivitäten kann man sich hier für jede Tätigkeit passende Umgebungen erstellen.

Schön bei KDE ist, dass man gleich von den Einstellungsmenüs aus neue Designs suchen und installieren kann - hier entfällt aufwändige Suche im Netz und fuddelige Installation.

KDE bringt ein paar mehr Anforderungen an das System mit, auf dem es seine Arbeit verrichtet. Versionen für Netbooks oder Tablets zeigen aber, dass KDE auch gut mit begrenzten Ressourcen umgehen kann.

XFCE

XFCE 4.8

Eine leichte Umgebung, die trotzdem keinen Komfort vermissen lässt. XFCE setzt auf die gleiche Basis wie Gnome 2, bringt aber auch eine große Anzahl an eigenen Entwicklungen mit sich. Anwendungen, welche für Gnome geschrieben wurden, machen unter XFCE ebenfalls ein gutes Bild.

Es gibt einige Einstellungsmöglichkeiten, doch Freiheit wie unter KDE wird man hier nicht erreichen.

XFCE ist was den Ressourcenverbrauch angeht ein Fliegengewicht, der ist vergleichbar mit Gnome. Auch ohne 3D-Beschleuniger bekommt man hier einen einfachen Augenschmaus.

Unity

Die Eigenentwicklung der Firma Canonical ersetzt seit knapp einem Jahr Gnome unter Ubuntu. Leider hat der Benutzer bei Unity nicht viele Einstellungsmöglichkeiten und mir persönlich ist das System zu starr. Gute Ideen finde ich aber doch, Beispielsweise das System der Lenses, welche es dem Benutzer ermöglich einfach Ergebnisse zu seinen Suchen zu finden. So gibt es Lenses für Musik oder Kontakte.

Unity möchte 3D-Beschleunigung und sieht mir auf den ersten Blick nicht so sparsam aus, weitere Aussagen kann ich nicht treffen.

Fazit

Neben den hier genannten gibt es viele weitere Oberflächen. Einige davon sind komplette Systeme (z.B. LXDE), andere bringen nur teilweise Funktionalitäten mit sich (z.B. OpenBox). Welche Umgebung man letztendlich verwendet ist hauptsächlich Geschmackssache. Die Anwendungen des einen Desktops laufen auch unter dem anderen, sehen nur manchmal nicht wie aus einem Guss aus.

Distributionen

Was man so leicht als Linux bezeichnet ist eigentlich nur der Kernel. Darauf kann man beliebige Software aufbauen, diese Zusammenstellungen bezeichnet man als Distribution. Distributionen unterscheiden sich nicht nur in der Software-Auswahl, auch in Update-Zyklen und Zielgruppen. Hinter einigen Distributionen stehen Firmen, andere werden einzig durch Freiwillige erstellt.

Als einfacher Anwender muss man auch hier keine Angst haben, denn es gibt viele einfach zu benutzende Werkzeuge zur Systemaktualisierung und der Installation neuer Software. Hier hat sich in den letzten Jahren eine Menge im Sinne der einfachen Benutzbarkeit getan.

Ubuntu

Ubuntu war eine der ersten Distributionen, die ein für den Benutzer einfach zu installierendes und wartendes System geschaffen haben. Mittlerweile gibt es auch von Ubuntu selbst eine ganze Reihe an Ablegern und mit ihnen eine große Community, in der man schnell Hilfe finden kann. Mittlerweile bietet die Firma Canonical, welche sich für die Ubuntu-Entwicklung verantwortlich zeigt, auch kommerziellen Support an.

Ubuntu hat bereits eine große Auswahl an Software mit an Bord. Jedes halbe Jahe gibt es eine neue Version, welche neue Software mit sich bringt. Daneben gibt es sogenannte Long Term Support (LTS) Releases, welche über einen sehr langen Zeitraum hinweg Sicherheitsaktualisierungen enthalten.

Die auf Debian aufbauende Distribution lässt sich darüber hinaus durch das Einbinden eigener Paketquellen sehr einfach um eigene Software verwalten.

Kubuntu

Kubuntu ist ein Ableger von Ubuntu, der sich auf die Programme der KDE SC konzentriert. Wem die hier mitgelieferte und getestete Version der KDE SC zu alt ist, der findet in den News oft Hinweise auf PPAs mit der aktuellen Version.

Xubuntu

Die Variante mit XFCE eignet sich auch für ältere Rechner. XFCE macht eine gute, moderne Figur und bringt sogar Transparenz-Effekte mit. Interessant ist, dass hier auf Abiword und Gnumeric als Textverarbeitung bzw. Tabellenkalkulation gesetzt wird.

Edubuntu

Eine besondere Distribution, da sie sich besonders an Schüler und Kinder richtet. Das finde ich toll! (Und deshalb gibts hier auch die Erwähnung :))

openSUSE

Eine der ältesten Distributionen, mittlerweile läuft sie auch wieder bei mir. Ich kenne openSuse noch als SuSE Linux Professional, welches damals in schicken Boxen und mit großem Handbuch (deutsch!) zu kaufen gab.

Mittlerweile nennt man sich openSuse und die Entwicklung wird öffentlich voran getrieben.

Hilfe findet man meist in den offiziellen Foren, allerdings ist die Community nicht so groß wie bei Ubuntu.

Eine Besonderheit ist das Installations- und Konfigurationswerkzeug YaST, welches eine zentrale Anlaufstelle zur Systemkonfiguration bietet. Hier merkt man, dass sich openSuse noch immer an professionelle Anwender richtet.

Die Aktualisierungszyklen sind größer als bei Ubuntu, aber meinem subjektiven empfinden nach wird währenddessen öfter frische Software über die offiziellen Kanäle veröffentlicht. Es gibt auch hier Möglichkeiten eigene Softwarequellen einzubinden, welche teilweise über die offizielle openSuse-Seite zu finden sind.

Auch bei openSuse hat man die Wahl zwischen verschiedenen Varianten. Den Installer gibts als DVD-Variante, bei der man dann mindestens zwischen KDE und GNOME wählen kann, oder als CD, bei der man sich vorher zwischen einen der Oberflächen unterscheiden kann. Daneben gibt es noch eine Reihe von Derivaten. Eigene Brandings gibts hier allerdings nicht.

Fazit

Die Vorstellung umfasst nur zwei Distributionen, aber die sind nicht alles, was es gibt. Die Anzahl ist riesig und vermutlich kann jeder die für ihn passende Distri finden. Dabei können Seiten wie der Linux Distribution Chooser oder Distrowatch gute Dienste leisten.

Solange man keine besonderen Bedürfnisse hat, wird man vermutlich mit den beiden vorgestellten Varianten gut klarkommen.

Für Katze.