Elementary OS

2013-10-07 17:55

Linux haftet ja oftmals das Gerücht an, dass es hässlich sei. Bei Linux denken viele eher an grüne Schrift auf schwarzem Grund als an eine durchgestylte Oberfläche. Das Elementary OS-Projekt macht sich auf diesen Vorurteil zu bekämpfen und dem Nutzer eine stimmige, gut aussehende Oberfläche zu bieten.

Ich habe es heute auf meinem Arbeitsrechner ausprobiert, nachdem mein _Kubuntu_ mir den Login verweigerte. Meinen Rechner wollte ich sowieso mal wieder mit einem frisch installierten System ausstatten, also habe ich die Chance genutzt.

Die Installation war schnell geschehen - ISO herunterladen, auf einen USB-Stick kopieren und booten. Ohne Probleme startet das System und ich habe die Wahl zwischen einem Live-System zum Ausprobieren und damit sofort die Installation zu beginnen.Zu verlieren habe ich nichts, also installieren.

Der Installer erinnert sofort an den von Ubuntu verwendeten und da Elementary OS auf Canonicals Betriebssystem aufbaut, wird es wohl mehr oder minder der gleiche Installer sein. Ich bin allerdings ein wenig verwundert, ja sogar ein bisschen verstimmt, dass der Installer kein LVM zu kennen scheint. Das ist schade, aber bleibt bei der Installation auch der einzige Kritikpunkt. Wenige Minuten später kann ich bereits das System neu starten und mich zum ersten Mal anmelden.

Schon da zeigt sich die Stimmigkeit von Elementary OS. Vom Login über die Icons bis zum Desktop-Hintergrund bleibt alles stimmig. Am oberen Rand des Desktops gibt es eine Leiste mit Anwendungsstarter links, Uhrzeit und Datum mittig und einem Systemtray rechts. Na klar, das sieht stark nach GNOME Shell aus. Unten gibt es ein Dock, in dem unter anderem Starter für Browser, Video- und Musik-Player warten.

Die Anwendungen sind zugeschnitten auf Elementary OS und größtenteils von dessen Team entwickelt. Der Browser Midori macht eine gute Figur, denn er ist ziemlich schnell und ein Plugin für das Ausblenden von Werbung wird bereits mitgeliefert, muss aber noch aktiviert werden.

Ich habe, unter anderem um die Installation zu beschleunigen und später vom Firmen-eigenen apt-Proxy zu profitieren, während der Installation keine Updates installiert. Deshalb verwundert es mich anfangs nicht, dass alle Menüs auf Englisch sind. Deutsche Sprachpakete werden über die Systemsteuerung nachinstalliert, aber auch nach einigen Neustarts will mich nicht überall die gewählte Sprache begrüßen. Das trübt ein wenig das ansonsten gute, stimmige Bild.

So langsam dämmert mir aber, dass Elementary OS vermutlich nicht für Keyboard Cowboys gemacht wurde. Als Konsolen-Anwendung gibt es eine Eigenentwicklung, bei welcher es mir leider nicht gelingt die Tabs per Tastatur zu wechseln geschweige denn Optionen aufzurufen.

Weitere Blicke in die Systemsteuerung lassen mich ratlos zurück. Ich habe mir angewöhnt mittels STRG + Leertaste einen Anwendungsstarter zu öffnen, um so schnell auf alle Anwendungen zugriff zu haben. Diesen Shortcut will ich auch hier wieder einstellen, scheitere aber daran. Es gibt einige Einstellungen zu Tastaturkommandos, aber hierzu finde ich nichts. Dafür kann ich darüber schmunzeln, dass mich in den Einstellungen die gleichen Symbole wie auf einer Mac-Tastatur begrüßen. Letztendlich lassen sich viele Sachen einstellen, aber ich werde leider nicht fündig.

Die fehlende Konfigurierbarkeit schlägt leider auch bei den Fensterrahmen zu. So gut mir das Design gefällt, ich mag meinen Schließen-Button nicht auf der linken Seite haben und minimieren würde ich die Fenster auch gerne. Mir gelingt es leider nicht den Schließen-Button auf die andere Seite zu verschieben und einen Minimieren-Button zu ergänzen. Vielleicht - schließlich scheint hinter all dem ein GNOME 3 zu stecken - würde auch hier das GNOME Tweak Tool Abhilfe schaffen, aber probiert habe ich es nicht.

Ich habe relativ kurz darauf die Segel gestrichen. Spätestens, nachdem ich eine einfache Möglichkeit suchte den Bildschirm zu sperren und herausfand, dass sich diese Möglichkeit anscheinend nur dann bietet, wenn man aus der Systray-Ecke versucht den Account zu wechseln - zu seinem eigenen.

Letztendlich hat mir der Ausflug zu Elementary OS gut gefallen. Ich denke, dass viele Benutzer mit der hübsch aussehenden Oberfläche und den gebotenen Möglichkeiten sehr glücklich werden. Es sieht echt verdammt gut aus. Ich würde es als das mit Abstand am stimmigsten designte Linux bezeichnen, das mir unter die Finger gekommen ist. Es gibt dezente Effekte, nichts wirkt überladen. Leider sind die Einschränkungen bezüglich möglichen Anpassungen für mich ein Kritikpunkt, der sehr schwer wiegt. Somit verschwand ELementary OS letztendlich wieder von meiner Festplatte.