30 Tage vegan - mein Fazit

2014-10-02 23:11

Für dreißig Tage haben die Frau und ich vegan gelebt. Erst mal als Experiment, begleitet durch das Buch Vegan for Fit von Attila Hildmann.

Das Buch bewirbt diese Tage als _Challenge_, in der man nicht nur die Ernährung (und ein paar andere Dinge) umstellen soll. Dazu gehört beispielsweise, dass man keinen Alkohol trinkt und Abends ab einer bestimmten Uhrzeit, bei uns war das 20 Uhr, nichts mehr isst. Nichts im Sinne von überhaupt nichts.

Wir haben uns vorher überlegt, was wir in dem Zeitraum Essen wollen und einen Plan aufgestellt. Das diente der Vermeidung von Überraschungen und der Möglichkeit besser auf Vorrat einzukaufen. Da einige Zutaten nur in geringen Mengen benötigt werden, hat sich das in meinen Augen schon gewohnt.

Die Wiederholungen beim Essen fand ich nicht schlimm, im Gegenteil gaben Sie Möglichkeiten die Rezepte eher an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Gerade in der ersten Woche waren wir teilweise sehr über die Mengen überrascht. Ich kann euch beruhigen: verhungern wird hier niemand, aber man will ja auch nicht drei Tage am Stück die gleiche Mahlzeit vor sich haben.

Die Portionen waren zumindest für mich erstmal eine Umstellung. Meistens gibt es bei mir Morgens auf Arbeit einen Kaffee und als Frühstück dann das: Das Frühstück, angeblich die wichtigste Mahlzeit des Tages, fällt bei VFF reichlich aus und bildet die Grundlage für den restlichen Tag. Nachdem ich zu Beginn wirklich kämpfen musste, habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt und will das Frühstück nicht mehr missen.

Glücklicherweise sind die Rezepte interessant und es gibt viel Abwechslung. Das gilt nicht nur fürs Frühstück, auch auf Mittag- und Abendessen trifft das ganze zu.

Rückblickend waren meine ersten Kontakte mit veganem Essen Kochrezepte, die ich irgendwo im Netz las und nachkochen wollte. Vermutlich bei bevegt und Frau Jupiter.

So ungewöhnlich die Idee anfangs klingen mag, das vegane Kochen ist wie "normales" Kochen auch, nur vielleicht mit anderen Zutaten. Ich könnte nicht sagen, welche Art der Nahrungszubereitung schneller oder langsamer ist oder mit mehr oder weniger Geschirr auskommt.

Nun gut, ein paar Unterschiede gibt es dann doch, denn man verzichtet auf tierische Erzeugnisse - kein Fleisch, Fisch, Eier und Milch, um mal die Hauptteile zu nennen. Dafür konzentriert man sich auf pflanzliches Essen, die Nahrung ist reich an Obst, Gemüse, Nüssen. Und einigen Produkten, die so ähnlich sind wie ihre tierischen Geschwister: Mandelmilch, Sojasahne. Tofu findet sich auch viel in den Rezepten. Tofu mochte ich bereits vorher sehr - ich liebe Tofu in kräftig gewürzten indischen Gemüse-Curries! Aber ich habe an der Stelle ein wenig zu meckern und das ist der Fokus auf einige teure Produkte, besonders genannt sei hier das Mandelmuß. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man auch Alternativen dazu hätte finden können.

Nachdem mein Körper gut mit Nahrung versorgt war, ist die andere Frage natürlich wie man sich dabei fühlt. Die erste Woche war okay, aber gegen Ende merkte ich, dass mir Snacks fehlten. Ich habe zuvor - eher unbewusst - eine Menge gesnackt. Hier ein Stückchen Schoki, da ein paar Gummitiere. Obwohl wir mit Frühstück, Mittagessen, Matcha-Shake (sehr, sehr toll!) und Abendessen den ganzen Tag über für unsere Versorgung geplant hatten, hatte ich zwischendurch das Verlangen nach Kleinigkeiten.

Das ist auch machbar, aber entweder man greift dabei auf Obst zurück oder muss selbst aktiv werden. Veganes Naschwerk ist prinzipiell im Laden zu bekommen, aber nicht überall und natürlich auch nicht alles. Die Liebste hat hier glücklicherweise reagiert und mich mit Crackern versorgt. So war ich deutlich weniger Grumpy. Später gab es dann noch selbstgemachte, vegane Schokolade und Amaranth-Frucht-Riegel. Die Riegel, die sind der Wahnsinn!

Man kann sie gut mitnehmen, was besonders unterwegs wichtig ist. Als Veganer muss man mit- und am besten vorausdenken. Ich habe während der veganen Zeit eine Schulung im Nirgendwo gegeben und muss gestehen, dass ich dort nicht vegan essen konnte. Je ländlicher die Gegend, desto schwieriger scheint es an veganes Essen oder besondere Zutaten zu kommen. Vegetarisch ist meinem Gefühl nach in der breiten Masse angekommen und findet sich auf vielen Speisekarten wieder, aber vegan scheint für viele sehr exotisch zu sein.

Unser Mittagessen bereiten wir meist am Vortag zu und nehmen es mit auf die Arbeit. An den Tagen, an welchen wir das nicht getan haben, hatte ich die Möglichkeit ins Mainzer Möhren Milieu zu gehen, einem veganem und nachhaltigem Café. Da war ich bereits vor der explizit veganen Zeit ein paar Mal essen und es war eine nette Abwechslung. Wenn ihr mal in Mainz seid und Hunger habt, findet man dort leckeres und günstiges Mittag.

Gefehlt hat mir während der veganen Zeit nichts. Klar, ich hätte Abends durchaus gerne mal ein Bier gehabt und der Artikel zum Burgerbraten schürte auch die Fleischelust. Letztendlich war aber alles machbar. Merkwürdigerweise bekam ich besonders Hunger auf eine vegane Knolle - Kartoffeln! Bis heute ist mir nicht klar, wieso genau darauf. War es wegen der Stärke?

Ich fühlte mich aber nicht besonders anders. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich bereits zuvor mit meiner Ernährung habe und versucht habe immer ausgewogen zu Essen. In der Regel sogar ohne Fleisch oder Fisch, aber doch viele Milchprodukte.

Komplett tierfreies Leben halte ich für möglich und machbar, habe mich aber dagegen entschieden. Dafür ist mir mag ich Frankfurter Schnitzel, Ahle Worscht und wasnochalles viel zu sehr. Vegane Küche wird es bei uns weiterhin geben, da die Frau weiter vegan leben möchte und ich es sinnlos fände, würden wir für jeden von uns extra kochen. Selbst ohne diese Entscheidung wären vegane Gerichte nicht von unserem Speiseplan verschwunden, eher mehr geworden.