Mit der Welt um die Wette laufen

2015-05-10 22:13

Vor einer Woche stand ein großes Laufevent an. Groß im Sinne von weltweit, groß im Sinne von vielen Teilnehmern. Und trotzdem war mir das Event vorher nicht wirklich bekannt.

Die Läufer unter euch wissen schon, dass es sich um den Wings for Life Worldrun handelt. Bei diesem Lauf werden die Startgelder für die Rückenmarksforschung gespendet - die Veranstaltung lebt von vielen Freiwilligen und Sponsoren, welche all das möglich machen.

Besonders wird der Lauf nicht nur durch seinen Charity-Charakter, sondern auch durch den Ablauf: 30 Minuten nach dem Startschuss fährt das so genannte Catcher Car mit konstanter Geschwindigkeit von 15km/h los. Überholt es einen Läufer, ist dieser aus dem Rennen. Eine Streckenvorgabe gibt es nicht, jeder läuft so weit er kann. Damit auch die sehr schnellen Läufer eingeholt werden, wird das Auto nach einiger Zeit seine Geschwindigkeit erhöhen. Und als wäre das nicht besonders genug, fällt der Startschuss rund um den Globus zur gleichen Zeit - die einen Laufen morgens, die anderen Abends und in Deutschland startet man zur Mittagszeit.

Erstaunlich fand ich bereits beim Abholen der Startnummern die Professionalität, mit welcher das Event umgesetzt wurde. Große Wegweiser vor Ort, gut gefüllte Startbeutel. Neben dem mit diversen Kleinigkeiten, Lese- und Werbematerialien gefüllten Startbeutel gab es auch ein T-Shirt und Wasser sowie eine Dose Red Bull-Energydrink. Wir haben unsere Startnummer am Abend zuvor abgeholt und so gleich die Pasta-Party mitgenommen.

Bevor der Startschuss fiel, traf sich das Team der InteRes Worldrunners zum gemeinsamen Austausch und einer kleinen Fotosession. An der Stelle vielen Dank an InteRes, die nicht nur das Startgeld übernahmen, sondern auch die beteiligten Läufer mit Trikots ausgestattet haben.

So ein Lauf ohne konkretes Ziel ist erst mal sehr merkwürdig. Distanz oder Zeit sind für mich immer die Sachen bei einem Lauf gewesen, an welchen ich mich orientieren kann. Aber einfach so loslaufen und mal schauen? Ja, das geht. Das geht, das geht sogar sehr gut! Ich habe es sehr genossen auf diese Art zu laufen. Meine einzige Vorgabe an mich selbst war, dass ich mehr als 10 Kilometer laufen wollte.

Der erste Kilometer war zäh. Die gut ausgeschilderte Strecke führte die Läufer erst in den Norden Darmstadts, um dann nach Osten und schließlich in Richtung Pfungstadt zu führen. Auf der Strecke fanden sich in regelmäßigen Abständen Verpflegungsstationen, an welchen es Getränke und später auch Obst und Riegel gab.

Das Wetter war gut, bei 18-20° gab es zwischendurch leichten Nieselregen - eine wunderbare Abkühlung beim Laufen! Anfangs fand ich es wenig schwül, aber das verflog beim Laufen. Die vorsorglich mitgenommene Regenjacke kam beim Laufen nicht zum Einsatz.

Es lief gut. Ich habe mich auf meinen Körper konzentriert, habe versucht keine großen Schritte zu machen und in einem Tempo zu laufen, in welchem ich die angepeilten 10 Kilometer gut schaffen kann. Wie gut es lief wurde mir erst so richtig bewusst, nachdem ich die 20 Kilometer-Marke sah. Mensch, 20 Kilometer! So viel habe ich bisher noch nicht an einem Stück hinter mich gebracht. Und irgendwie waren die 21 Kilometer, für mich die magische Halbmarathon-Distanz, dann auch im Sack. So langsam wuchs dabei aber auch die Gewissheit, dass vermutlich bald das Catcher Car von hinten kommen würde.

Aber erst nach dem 24. Kilometer, hat es mich erwischt. Plötzlich viele Begleitfahrzeuge, Menschen fangen an zu sprinten - so auch ich. Ein letztes Mal alles rausholen, die Beschwerden ignorieren und noch ein paar Meter gut machen. Und dann war es vorbei.

Wer mitläuft, muss glücklicherweise nicht den Weg zurück laufen. Busse stehen an festgelegten Orten und sammeln die Läufer ein, bringen sie zum Start zurück. Hat gut geklappt, auch hier sehr professionelle Organisation.

Alles in allem war es ein großartiges Event! Mir hat es vor allem eines gebracht: Lust auf längere Läufe und auch daran an Events teil zu nehmen. Oben drauf gab es einen großen Muskelkater in den Beinen. Aber den habe ich gerne in Kauf genommen.