Vivaldi: neuer Browser für Poweruser

2016-03-01 13:46

Seit einiger Zeit ist mit Vivaldi ein weiterer Wettbewerber auf dem Browsermarkt. Gegründet wurde die Firma von ehemaligen Opera-Mitarbeitern, die nun ihr Know-How in einen neuen Browser einbringen.

Dabei wird viel auf Bewährtes gesetzt: als Engine kommt Blink zum Einsatz, die UI erinnert an letzte Versionen von Opera. Der Einstieg geht schnell, ich fühlte mich sofort heimisch.

Und ich finde ein paar Features wieder, die ich bei Firefox vermisst habe: Tab-Stacking, also das Übereinanderlegen von Tabs. Bei Firefox habe ich mir seinerzeit mit Tab-Gruppen beholfen. Tab Stacking gefällt mir besser, weil es direkter in der Verwendung ist - kein Umschalten nötig. Leider ist das noch nicht so sehr ausgereift, denn der Zugriff auf einzelne Tabs ist dann leider nicht mehr so einfach. Opera hatte ein Feature zum Ausklappen der Tabgruppe, so dass jeder Tab den gleichen Platz wie einer ohne Gruppe einnahm, man aber durch einen Rand trotzdem die Zugehörigkeit zur Gruppe erkennen konnte.

Außerdem gibt es eine Seitenleiste! Darin habe ich endlich wieder Zugriff auf Bookmarks, yeah! Und das per Tastenkützel, doppel-yeah! In die Seitenleiste kann man außerdem beliebige Internetseiten legen. Twitter oder Mattermost immer in der Seitenleiste offen? Kein Problem!

Auch das Anpinnen von Tabs, damit diese immer erreichbar sind und nicht zufällig geschlossen werden können, ist möglich.

Das Steuern per Tastatur klappt prima. Neue Tabs per STRG+T, das Schließen per STRG+W und wechseln per STRG+TAB gehören schon zum Standard. Neu ist STRG+E zum Öffnen eines Kurzbefehl-Menüs. Darin kann bspw. direkt eine Seite aus den Bookmarks oder dem Verlauf aufgerufen werden, auch weitere Browsersteuerung ist möglich.

Der neue Snapshot ermöglicht es offene Tabs als eine Session zu speichern. Eine tolle Ergänzung zu Tab-Gruppen, wenn man keinen Tab-Wildwuchs möchte.

Außerdem kann man Tabs in den Hintergrund verbannen, damit der Browser nicht allen verfügbaren RAM mit eigentlich ungenutzten Tabs belegt. Sehr gute Sache! Ein nettes Feature beim Öffnen von Tabs im Hintergrund ist außerdem, dass ein kleiner Balken den Ladezustand anzeigt und man so in der Lage ist zu sehen ob der Tab schon geladen hat oder noch nicht.

Die Performance finde ich auch gut, übermäßig kam mir der RAM-Verbrauch nicht vor. Die Engine unterstützt gängige Standards und ich muss mir keine Gedanken darüber machen, dass Seiten eventuell nicht funktionieren.

Nun wird nicht jeder den Browser so benutzen, wie ich das mache. Das ist aber kein Problem, denn Einstellungsmöglichkeiten gibt es zahlreich. Auch Plugins können verwendet werden. Da hier die gleiche Engine wie bei Chromium im Hintergrund läuft, gibt es die Möglichkeit auf Chrome Plugins zurück zu greifen - und somit ist die Auswahl groß.

Ist Vivaldi ein Browser für Poweruser? Ich denke schon! Die große Menge an Features, die Steuerungs- und Erweiterungsmöglichkeiten sprechen für sich. Ich bin außerdem gespannt welche Features noch kommen werden und freue mich auf die nächste Version.

Wer neugierig geworden ist und Vivaldi selbst ausprobieren möchte, der hat momentan die Wahl zwischen Beta und Snapshot. Die Beta ist stabiler, bringt dafür aber noch nicht alle Features der Snapshots mit. Mac, Windows und Linux - für alle Betriebssysteme gibt es Pakete, die auch gleichwertig gepflegt werden.