Gravel Fondo - über Stock und Stein im Schwarzwald

2016-10-23 13:25

Mit vielen Sonnentagen und schönen Bergen ist der Schwarzwald ein Paradies für Radler. Als ich letztes Jahr dort zum Wandern war, wollte ich irgendwann mit dem Fahrrad zurück kommen, um die Berge nicht nur zu Fuß zu bezwingen. Letztlich war es Glück, dass ich mich kaum ein Jahr später plötzlich wieder im Schwarzwald befinde um Fahrrad zu Fahren.

Bei Shut Up Legs hat die Glücksfee meinen Namen aus dem Lostopf gezogen und plötzlich habe ich einen Startplatz für den Votec Gravel Fondo. Der Gravel Fondo entzückt mich schon bei der Beschreibung: zwei Tage lang durch den Schwarzwald fahren und dabei auf grob überschlagenen 130km um die 3500 Höhenmeter sammeln. Und das nicht als Wettbewerb, sondern aus Spaß am Radfahren!

Die Möglichkeit ein vorbereitetes Navi auszuleihen nehme ich gerne wahr und hole mir am Morgen des ersten Tages ein vorbereitetes Gerät ab. Die Strecke wurde vorher schon an die Teilnehmer in Form von .gpx-Dateien verschickt. Da die Strecke nur an wenigen Punkten explizit ausgezeichnet sein wird, muss man sich eine Lösung zur Navigation suchen.

Wer starten will, muss sich in der Namensliste eintragen und bei Ankunft dort durch eine zweite Unterschrift bestätigen, dass er wieder angekommen ist. Einerseits dient es dazu eventuell fehlende Radler gezielt suchen zu können, andererseits fühlt man sich dadurch wie ein Pro an, der am Start einer Radsport-Etappe seine Teilnahme bestätigt. Sehr cool!

Samstag, Tag 1

Gestartet wird dann in kleinen Gruppen, um keine Pulk-Bildung zu fördern. Ob man alleine oder mit anderen fährt ist Geschmackssache.

Am Beginn des ersten Tages kann man gleich laufen lassen, denn die Strecke führt ins Tal. Nach wenigen Kilometern biegt man von der Straße ab und bekommt so gleich einen guten Vorgeschmack über das, was die nächsten Tage folgt: Wirtschaftswege, Singletrails und vieeeeel gute Laune!

Dann kommt der erste Anstieg und damit sinkt das Tempo. Von Todtnau hoch zum Notschrei-Pass ist eine tolle Auffahrt. Die Sonne trocknet die noch vom Regen in der Nacht nasse Straße und es wird wärmer! Für ein Oktober-Wochenende soll es an die 20° werden und trocken bleiben. Was will man mehr?

Auf dem Pass führt die Straße in den Wald in Richtung Feldberg. Hier zeigt sich, weshalb man für die Veranstaltung ein Gravel- oder Cyclocross-Fahrrad fahren sollte: Schotter, Matsch und unebene Wege. Ich fahre deshalb mit meinem Bombtrack Arise, das ich vorher nochmal mit griffiger Bereifung ausgetattet habe. Neben der Bereifung habe ich die Übersetzung gewechselt und bin nun mit 42x17 unterwegs - Singlespeed. Ob das eine gute Wahl war?

Als wir den Wald nach einer schnellen Abfahrt verlassen sehen wir: nichts. Nebel hat sich über den Feldberg gelegt und sorgt für eine tolle Atmosphäre.

Wegfindung

Auf dem Weg vom Feldberg runter verfährt sich unsere kleine Gruppe dann. Der Nebel ist in diesem Fall völlig unschuldig. Am ehesten würde ich es auf Ungeduld und schlechte Navigationsgeräte schieben.

Das geliehene Sigma Rox GPS 7.0 hat freudig gepiepst, als wir die Abfahrt in falscher Richtung nahmen - schließlich waren wir auf der Route. Doof nur, dass wir hier eigentlich erst später hätten fahren sollen - und hoch anstatt runter.

Ansonsten war das Gerät an meinem Lenker ein ruhiger Begleiter während der Fahrt. Zu gute halten muss ich Sigma, dass ich ohne die Anleitung zu lesen mit dem Gerät klar kam - das ist alles andere als selbstverständlich. Weniger gut war leider die Navigation. Ich sah den Track, aber das Schwarz/Weiß-Display war nicht hilfreich dabei bei mehreren, in ähnliche Richtungen abzweigenden Wegen mir den passenden zu zeigen. Dann piepste es, ich fuhr zurück und versuchte einen anderen Weg. Bei eindeutigerer Streckenführung ist das vermutlich kein Problem, aber bei diesen Wegen war es das.

Mit ein wenig Improvisation gelangten wir zurück auf die Strecke. Die Strecke war sehr gut gewählt, ein toller Mix aus verschiedenen Untergründen und gut zu fahren! Einen Singletrail, der technisch sehr herausfordernd war und nach einer anderen Übersetzung verlangte, konnte ich nicht fahren. Ansonsten war Singlespeed kein Problem während dem Tag.

Die letzten Kilometer zum Ziel führten eine schnelle Abfahrt hinunter, das machte richtig Spaß! Nach der Zieleinfahrt waren die ersten Schritte sich austragen und auf den Kuchen stürzen. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge.

Nicht nur der Kuchen war super, auch das am Abend stattfindende Barbecue hat den Magen gut gefüllt. Spanferkel, Pulled Pork, Würste, Salate, heiße Kartoffeln... die Auswahl war groß und lecker! Untermalt wurde der Abend mit Musik, sowohl live als auch aus der Konserve.

Moderiert wurde die Veranstaltung durch guilty 76, die meinem Eindruck nach auch einen großen Teil des Fahrerfeldes stellten. Zwischendurch konnten die Schnellsten Goodies der Sponsoren Brügelmann und SRAM gewinnen. Dazu wurde zufällig eines der markierten Strava-Segmente ausgewählt und die schnellsten Fahrerinnen und Fahrer des Tages gekührt.

Sonntag, Tag 2

Der zweite Tag begann wie der erste mit einem großen Anstieg. Hier hatte ich das erste Mal den Wunsch nach weiteren Gängen - oder kleinerer Übersetzung. Ich fuhr noch immer die gleiche Übersetzung, da der erste Tag gut gelaufen ist. Vermutlich haben auch die nicht mehr ganz frischen Beine eine Rolle gespielt. Allem Willen zum Trotz musste ich pausieren. Aber Schieben? Aufgeben? Keine Option!

Würde ich jetzt die Strecke von Tag zwei noch mal fahren, so würde ich eine niedrigere Übersetzung wählen. 42x18 könnte noch sportlich sein, aber 42x19 halte ich für problemlos fahrbar am Berg.

Zur Belohnung ging es wieder auf den Feldberg und dann eine tolle Abfahrt herunter an einen malerischen Schluchsee. Der Himmel war strahlend blau, die Sonne konnte sich nicht hinter Wolken verstecken. Ein unglaublich toller Ausblick! Die Strecken beider Tage boten eine Menge schöner Stellen und durch den lockeren Charakter des Events konnte man das auch würdigen und genießen.

Das Auge bekam auch in Sachen Fahrräder viel geboten. Räder aller Couleur fanden sich vor Ort - Stahl, Aluminium oder Carbon. Unterschiedlichste Jahrzente und vom klassischen Querfeldeinrenner bis hin zum modernen All-Road-Bike mit 40mm Mountainbike-Reifen gab es alles zu sehen. Interessant fand ich besonders die neuen SRAM-Ritzelpakete, deren größtes Ritzel 42 Zähne hat.

Auf den Oberrohren der meisten Mitfahrer klebten Sticker, welche Kilometerzahlen zu wichtigen Punkten zeigten. Diese stammten aus dem gut gefüllten Starterbeutel, der unter anderem Karten mit dem Höhenprofil der Strecken enthielt. Sehr coole Idee und auch das zeigte wie gut durchdacht die Veranstaltung war!

Parole: Push!

Am Ende des zweiten Tages wartete ein langer, steiler Anstieg. Der war mit nur einem Gang schwer zu fahren, aber wie zuvor stand in meinem Programm nirgends etwas von Aufgabe. Parole: Push! Glücklicherweise leidet es sich gemeinsam leichter und mit den anderen hier hoch zu fahren war ein guter Boost für die Moral. Oben bekam der Körper Zeit zum Verschnaufen und Vorräte auffüllen. Wie zuvor war es ein Schmaus!

Gut gestärkt ging es in die letzte Abfahrt des Wochenendes. Ein wirkliches Highlight! Schöner Blick ins Tal, freie Strecke und gute Straße - yes!

Und dann hieß es wieder austragen, Duschen und bereit machen für die Rückfahrt. Aller Anstrengung zum Trotz war dieses Wochenende wie ein Urlaub!

Auch wenn das Event jetzt über eine Woche her ist, so überwiegen die guten Erinnerungen und malen ein Lächeln auf mein Gesicht. Das Wetter war gut, die Strecke und die Leute sowieso! Ich hoffe, dass es eine weitere Ausgabe in 2017 gibt. Vielleicht bin ich dort dann auch nicht der einzige Eingänger.


Natürlich haben auch weitere Blogs im Internet über die Veranstaltung berichtet. Die folgenden Beiträge habe ich bisher gefunden: