Rad Race Bergfest 2015

2015-09-02 21:47

Nach einer relativ kurzen Nacht klingelt um halb Sieben der Wecker, aufstehen ist angesagt. Meine Sachen habe ich schon am vorigen Abend rausgelegt, das Fahrrad ist vorbereitet. Aber Frühstück muss vor so einem Event sein.

Wunderbar radelt es sich durch Darmstadt. Autos? Fehlanzeige! Das Wetter ist mild, aber es war um die Uhrzeit eine sehr gute Idee Armlinge anzuziehen.

Zusammen mit Felix mache ich mich auf den Weg, damit wir pünktlich um 9 beim Start in Oberursel sind. Wie sich später rausstellen sollte, wäre das nicht wirklich notwendig gewesen. Im Frankfurter Hauptbahnhof sehen wir weitere Radler, die in die gleiche Bahn einsteigen. Man trifft sich in Oberursel wieder, wo wir durch die Stadt zum Ziel radeln wollen. Sie auch und so fahren wir gemeinsam.

Hier zeigt sich gleich der Spirit des Rad Race: alle sind da aus dem gleichen Grund, die Stimmung ist freundlich und offen. Obwohl es ein Wettkampf ist sucht man vergeblich nach verbitterten Konkurrenten, nach feindseliger Athmosphäre. Es verbindet die Freude am Sport, es macht einfach Spaß vor Ort zu sein.

Vor Ort läuft Musik, der Aufbau ist noch im Gange, als wir ankommen. Nach und nach füllt sich der Parkplatz vor dem Kreisel. Viele schöne Räder sind unterwegs und das Warten hat tatsächlich Spaß gemacht.

Die Starts werden in Gruppen von je 25 durchgeführt. Bevor die eigene Gruppe startet, kann man im Wartebereich ein bisschen den Schatten genießen. Das ist eines der wenigen Mankos an der Location: Schatten gibt es nur wenig. Die Organisation ist gut!

Bevor meine Gruppe aufgerufen wird fahre ich mich ein wenig warm. Dabei fällt mir auf, dass es nicht mehr so gut rollt. Der Hinterreifen hat merklich Luft verloren. Mist! Eine Luftpumpe war schnell gefunden, aber zum Schlauch wechseln fehlt mir jetzt die Zeit. Ich denke noch, dass vermutlich einfach bei der Anfahrt ein wenig Luft entwich. Also acht Bar drauf und hoffen, dass alles hält.

Die startenden Gruppen werden nach dem Startschuss durch den Startbogen und durch den Kreisel geführt. Nach dem Kreisel ist das Rennen freigegeben - natürlich im Rahmen der StVO. Autofahrer werden durch Gridpeople gebeten zu Warten - eine Absperrung wäre ein Eingriff in die StVO und ist dadurch nicht drin. Das Zusammenleben zwischen Radlern und motorisiertem Verkehr ist toll, es wird gegenseitig Rücksicht genommen. Das erlebt man oft anders, aber passt vollkommen zum Rad Race!

Nach dem Start bin ich hinten im Feld, aber überhole gleich die erste große Gruppe. Die Beine sind fit, es ist warm und ich habe Bock! Relativ schnell finde ich Anschluss an eine feine Dreiergruppe, mit der wir nach und nach den Berg erklimmen und Mitfahrer nach Mitfahrer hinter uns lassen. Das Rausfallen lassen ist am Berg nicht ganz so einfach, aber klappt im Großen und Ganzen.

Die ersten acht Kilometer am Berg sind gut zu bewältigen, sind sie doch der flache Teil der Strecke. Man biegt nach links ab und der Berg geht los. Hier beginnt der Berg, hier beginnt der Spaß für die Beine! Wir sind mittlerweile zu fünft. Ich merke, dass nicht alle so gut mit der Steigung klar kommen und beschließe einen Außreisversuch zu starten.

Im Wiegetritt gehts an der Gruppe vorbei, bloß nicht das Tempo einbrechen lassen. Einer geht noch mit und so geht es weiter als Zweiergespann hinauf. Erst links, dann rechts kommen Parkplätze an der Straße. Hier stehen, wie auch im unteren Teil der Strecke, immer wieder Menschen die anfeuern. Toll!

Die Luft am Berg scheint zu stehen. Das Trikot habe ich schon früh geöffnet, irgendwann im letzten Stück habe ich es komplett geöffnet. Mir ist warm, verdammt warm! Mein Flüssigkeitshaushalt ist in Ordnung, das habe ich seit heute Morgen nicht schleifen lassen. Aber das Elektrolytgetränk will nicht mehr an mich, mein Körper will Wasser - zum Trinken, um es mir über den Helm zu kippen!

Der letzte halbe Kilometer fordert mich, ich verliere den Anschluss. Hier erwarten mich Steigungen von 8-9%, zudem ein kurzes Stück grobes Kopfsteinpflaster (sic). Felix macht Fotos vom Rennen und es ist schön ein bekanntes Gesicht zu erblicken!

Dann Zielbogen! Endlich! Call me Hillboooooooooooooy! Ich bin alle, aber die Freude ist groß. Das einzig große Manko an diesem Rennen taucht hier auf: keine Getränke für die Sportler nach dem Ziel. Was hätte ich für ein Wasser gegeben! Der Wirt auf dem Feldberg verkauft Getränke und hat vermutlich ein großartiges Geschäft an den 500 Sportlern gemacht. Ich hole mir ein Weizen und gönne dem Körper etwas Ruhe. Ich habe alles gegeben, aber meinen Beinen geht es ziemlich prima.

Ich bekomme mit wie die ersten Fixed Gear-Fahrer ankommen. Nach 26 Minuten ist der erste oben. Ich war unglaublich froh unterwegs doch irgendwann auf das kleine Kettenblatt wechseln zu können. Ich werde ein paar Tage später erfahren, dass ich acht Minuten länger gebraucht habe. Vor diesen 26 Minuten ziehe ich meinen Helm!

Bevor es in die Abfahrt geht brauche ich Luft auf dem Hinterreifen. Das ist glücklicherweise kein Problem. Die Abfahrt lasse ich langsam angehen. Im Tal heißt es erstmal den Schlauch zu flicken.

Aus dem Rad Race Bergfest ist mittlerweile das Talfest geworden. Wir warten die Siegerehrung ab, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Viele schöne Erinnerungen kommen mit. Außerdem eine unglaublich große Lust aufs Fahrrad fahren! Und wenn alles klappt, geht es in einem Jahr wieder den Berg hinauf!